Forschungsarbeit
Die gefäßchirurgische Abteilung der Klinik Ottakring engagiert sich seit vielen Jahren intensiv in der klinischen und transnationalen Gefäßforschung. In enger Kooperation mit dem Gefäßforum Österreich entstehen wissenschaftliche Arbeiten, die aktuelle Fragestellungen aus der Gefäßchirurgie bzw. Gefäßmedizin und endovaskulären Therapien systematisch untersuchen und zur Weiterentwicklung evidenzbasierter Behandlungsstrategien beitragen.
Im Fokus stehen sowohl technische Innovationen in der endovaskulären Aneurysma-Therapie komplexer Gefäßerkrankungen als auch die Analyse von Risikofaktoren, Komplikationsmustern, Langzeitergebnissen vaskulärer Interventionen, unter anderem auch die Prähabilitation und das Thema „gesund Altern“ (longevity). Darüber hinaus werden klinische Routinedaten genutzt, um Prognosemodelle weiterzuentwickeln und patientenrelevante Endpunkte wie Mortalität, Organerhalt und Lebensqualität differenziert zu evaluieren.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf der Förderung und Entwicklung von Nachwuchstalenten und Jungmediziner:innen. Die exzellente Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte ist uns ein zentrales Anliegen. Wissenschaftliches Arbeiten wird frühzeitig in die klinische Ausbildung integriert, um kritisches Denken, methodische Kompetenz und eigenständige Forschungstätigkeit gezielt zu fördern.
Die hier präsentierten Publikationen sind ein kleiner Auszug der aktuellen Arbeiten. Sie geben einen Einblick in aktuelle Forschungsschwerpunkte und spiegeln das gemeinsame Ziel wider, wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in eine qualitätsgesicherte und patientenzentrierte Versorgung zu übertragen.
Auszug aktueller Forschungsergebnisse
Long-term Follow-up after Covered Endovascular and Hybrid Reconstructions of Aorto-iliac and Aorto-iliac-femoral Occlusive Disease
DOI: 10.1055/a-2731-4212
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2731-4212
Retrospektive, monozentrische Beobachtungsstudie
Ziel: Untersuchung der Langzeitergebnisse nach gedeckter endovaskulärer Rekonstruktion der Aortenbifurkation (CERAB) sowie nach hybridem Vorgehen mit zusätzlicher femoraler Rekonstruktion (HCERAB) bei Patient:innen mit aorto-iliakaler bzw. aorto-iliako-femoraler Verschlusskrankheit. Primärer Endpunkt war die primäre Offenheitsrate (primary patency) im Follow-up.
Methode: Einschluss aller Patient:innen, die zwischen April 2012 und Juni 2021 in einem vaskulärchirurgischen Zentrum mittels CERAB oder HCERAB behandelt wurden.
- Gesamtkollektiv: 70 Patient:innen (45 CERAB, 25 HCERAB)
- Retrospektive Datenauswertung
- Erfassung folgender Parameter:
- Technischer Erfolg
- Primäre und sekundäre Offenheitsraten
- Perioperative Komplikationen
- Stentgraft-Okklusionen
- Reinterventionen
- 30-Tage-Mortalität
- Extremitätenerhalt (limb salvage)
- Mittlere Nachbeobachtungszeit: 29,7 Monate (0–108 Monate)
Angiotensin Dysregulation in Patients with Arterial Aneurysms
DOI: 10.3390/ijms26041502
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40003968/
Prospektive, monozentrische Beobachtungsstudie
Ziel: Untersuchung systemischer und lokaler Konzentrationen von Angiotensin (Ang) und dessen Metaboliten bei Patient:innen mit arteriellen Aneurysmen (überwiegend abdominale Aortenaneurysmen), um die Rolle des Renin–Angiotensin–Aldosteron-Systems (RAS) in der Aneurysmapathogenese genauer zu charakterisieren. Zusätzlich wurde analysiert, ob eine pharmakologische RAS-Intervention durch ACE-Inhibitoren die RAS-Profile beeinflusst
Methode: Zwischen Oktober 2023 und Juli 2024 wurden 37 Patient:innen mit arteriellen Aneurysmen und 56 Kontrollen eingeschlossen.
- Bestimmung systemischer Angiotensin-Metabolite im Serum mittels RAS-Fingerprint-Technologie
- Stratifizierung nach ACE-Inhibitor-Therapie
- Prä- und postoperative Serumanalysen bei einer Subgruppe
- Analyse lokaler RAS-Aktivität in Aorten- und Karotisgewebe (Enzymaktivität von ACE, ACE2, Chymase)
- Statistische Gruppenvergleiche mittels t-Test oder Wilcoxon–Mann–Whitney-Test
Factors influencing stent graft occlusion in endovascular repair of internal iliac artery aneurysms
DOI: 10.1016/j.jvs.2025.01.224
https://www.jvascsurg.org/article/S0741-5214(25)00290-3/abstract
Retrospektive, monozentrische Beobachtungsstudie
Ziel: Analyse technischer und anatomischer Faktoren, die das Risiko einer Stentgraft-Okklusion nach endovaskulärer Versorgung von Aneurysmen der A. iliaca interna (IIAA) beeinflussen, mit besonderem Fokus auf die longitudinale Länge nicht abgestützter Stentgraft-Segmente im Aneurysmasack sowie die Länge der distalen Landungszone.
Methode: Retrospektive Analyse von 61 IIAAs, die zwischen 2010 und 2022 endovaskulär behandelt wurden.
- Erfassung anatomischer und technischer Parameter:
- Länge des nicht abgestützten Stentgraft-Segments im Aneurysmasack (Distance A)
- Länge der distalen Dichtungszone (Distance B)
- Anzahl der verwendeten Verbindungs-Stentgrafts
- Analyse von Endpunkten:
- Stentgraft-Okklusion
- Typ-Ib-Endoleak
- klinischer Erfolg und ischämische Komplikationen
- Statistische Auswertung zur Identifikation signifikanter Einflussfaktoren auf Okklusionen und Endoleaks
- Mittlere Nachbeobachtungszeit: 25,7 Monat
Fenestrated Endovascular Aortic Repair After Failed Endovascular Aortic Repair
DOI: 10.1177/15266028231174113
Retrospektive, monozentrische Beobachtungsstudie
Ziel: Evaluation der technischen Ergebnisse einer fenestrierten endovaskulären Aortenreparatur (FEVAR) nach vorangegangener, insuffizienter EVAR (FEVAR after EVAR) sowie Identifikation patienten- und verfahrensbezogener Faktoren, die Komplikationsraten und technische Erfolgsparameter beeinflussen.
Methode: Retrospektive Analyse aller fenestrierten Endografts, die zwischen 2013 und April 2020 in einem vaskulärchirurgischen Zentrum implantiert wurden.
- Insgesamt 209 FEVAR-Prozeduren
- 35 Patient:innen (16,7%) mit FEVAR nach vorangegangener EVAR
- Erhebung folgender Endpunkte:
- Technisches Versagen
- Rate primär nicht verbundener Fenestrierungen (primary unconnected fenestrations, PUF)
- Operationsdauer
- Überleben im Follow-up
- Vergleich der PUF-Raten und Operationsdauer zwischen FEVAR after EVAR und primärer FEVAR
- Analyse potenzieller Einflussfaktoren auf technische Komplikationen:
- Anzahl der Fenestrierungen
- Verwendung einer steuerbaren Schleuse (steerable sheath)
- suprarenale Fixation des initialen EVAR
- Alter und Geschlecht
- Mittlere Nachbeobachtungszeit: 20,2 ± 19,1 Monate
Association Between Laboratory Metrics and Mortality After Major Lower Extremity Amputation in Peripheral Artery Disease Patients
https://www.mdpi.com/2077-0383/14/8/2640
Retrospektive, monozentrische Beobachtungsstudie
Ziel: Untersuchung, ob aus routinemäßig erhobenen Laborparametern (Hämoglobin- und Leukozytenwerte) sowie daraus abgeleiteten Kennzahlen innerhalb der ersten 21 postoperativen Tage Prädiktoren für die postoperative Mortalität nach Majoramputation bei Patient:innen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) identifiziert werden können
Methode: Retrospektive Analyse von 244 Patient:innen, die zwischen 2012 und 2016 eine Majoramputation der unteren Extremität erhielten.
- Erhebung klinischer und demografischer Daten aus elektronischen Krankenakten
- Verknüpfung mit Mortalitätsdaten aus dem österreichischen Sterberegister (Follow-up bis 31.12.2023)
- Analyse von Hämoglobin- und Leukozytenwerten vom präoperativen Zeitpunkt bis zum 21. postoperativen Tag
- Berechnung abgeleiteter Parameter: Mittelwert, Maximum/Minimum, Varianz sowie „Area outside the reference“ (Fläche außerhalb definierter Referenzbereiche; grafisch dargestellt in Abbildung 2)
- Überlebensanalysen mittels Kaplan–Meier-Kurven
- Multivariable Cox-Regression unter Adjustierung für relevante Kovariablen (u.a. Alter, ASA-Klasse)
- Sensitivitätsanalysen unter Ausschluss perioperativer Mortalität (<30 Tage)
Preventing Spinal Cord Injury in Single-Staged Juxtarenal and Thoracoabdominal Endovascular Aortic Aneurysm Repair: An Evaluation of Cerebrospinal Fluid Catheter Drainage
DOI: 10.1177/15266028241309252
Retrospektive, monozentrische Beobachtungsstudie
Ziel: Retrospektive Evaluation eines einheitlichen klinikinternen Protokolls zur Prävention perioperativer spinaler Ischämien bei Patient:innen, die sich einer einzeitigen komplexen endovaskulären Versorgung juxtarenaler oder thorakoabdomineller Aortenaneurysmen unterziehen. Der Fokus lag auf dem Einsatz und Management einer Liquordrainage (cerebrospinal fluid drainage, CSFD) in Kombination mit notwendiger Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung.
Methode: Einschluss von 97 Patient:innen nach einzeitigem komplexem endovaskulärem Aneurysma-Repair.
- Durchschnittlich 70,7% ± 14,4% der Aorta zwischen linker A. subclavia und Aortenbifurkation wurden überstentet.
- 53 Patient:innen erhielten eine Liquordrainage:
- 77,4% prophylaktisch
- 22,6% bei symptomatischer spinaler Ischämie
- Erfassung der Rate an spinaler Ischämie (transient vs. permanent).
- Dokumentation intraoperativer Antikoagulation (Heparin; mittlere Dosis 7500 IE) sowie zusätzlicher intravenöser Acetylsalicylsäure-Gabe (71,1%) bei liegendem Liquorkatheter.
- Bewertung technischer Erfolgsparameter (u.a. Viszeral- und Nierenarterien-Patency) sowie drainbezogener Komplikationen.
Primärer Endpunkt war das Auftreten einer spinalen Ischämie, sekundäre Endpunkte umfassten neurologische Defizite und katheterassoziierte Komplikationen.